Inhalt
Wenn eine verborgene Sehnsucht zur Realität wird und ein stiller Wunsch sich erfüllt, so ist das eine Freude, die mächtig über Schwieriges hinweg hilft. Diese Reise hat uns wesentlich mehr gegeben als von einem viertägigem Schnäppchenangebot erhofft werden durfte: es war ein farbenfroher und abwechslungsreicher Start in den Frühling, mit einigen Überraschungen und fröhlichen Begegnungen. Meine körperliche Konstitution war ausreichend und keines von uns beiden wollte diesen Trip wirklich ohne den Anderen unternehmen.
Eine Woche nachdem mein Mann und ich beschlossen hatten, im Jahr 2014 keine Auslandferien zu machen, um uns unserer Beziehung zu widmen und die Finanzen zu Hause zu investieren, fiel mir die Anzeige einer viertägigen Schnäppchenfahrt nach Venedig auf. Darauf wollten wir nicht verzichten, das war uns schnell klar. Hurra, es lebe der Kompromiss!]
Venedig, die Stadt der Schönheit, die Stadt der Donna Leon und der Vergänglichkeit. Dieser Wunschtraum schlummerte sehr still in mir, denn es gibt einfach Dinge im Leben, die man nicht verwirklichen kann, warum sollte ich darüber reden? Doch in der Anzeige stand klar und deutlich der Preis und ich kannte unseren Kontostand: es sollte also doch möglich sein!
Wie oft hatte ich sehnsüchtige Gedanken nach dieser Stadt auf die Seite geschoben mit der Begründung, dass das nur etwas für Leute mit gut gefülltem Portemonnaie sei. Sehr gerne hörten mein Mann Peter und ich die Musik des „Rondo Veneziano“ und dabei glitten unsere Fantasien in herrliche und fantastisch ausgestattete Räume eines erträumten Palazzos in der Serenissima. In schönster Regelmässigkeit hörte man alle paar Jahre vom nahe bevorstehenden Untergang dieser ausserordentlich schönen und mit Kunstschätzen überreichlich ausgestatteten Stadt. Ich war dann oft traurig, weil ich es nicht schafften konnte, sie zu besuchen, bevor das „unausweichliche und schreckliche Szenario“ eintreffen würde. Vor allem während des Studiums der Kunstgeschichte glitten meine Gedanken öfter in diese Richtung und ich stellte mir einen längeren Aufenthalt vor, damit ich viele Kunstschätze auf mich wirken lassen könne; aber diesem Irrglaube unterlag ich nur so lange, bis ich dann die üblichen Preise der Unterkünfte in „Bella Venezia“ realisierte.
Doch nun würde es Wirklichkeit werden und das sogar zur Karnevalszeit! Bei Peter rannte ich mit meinem Wunsch, von diesem Schnäppchen zu profitieren, offene Türen ein. Eigentlich wollten wir ja Rücklagen bilden, doch er sieht ohnehin nie die Notwendigkeit dafür ein. Das verhilft ihm sicher zu einer leichteren Lebenseinstellung, was ihm bei seinem schweren Job als Pfleger in einem Pflegeheim gegönnt werden solle. Wir wissen aber beide, dass wir besser durch die düsteren Wintermonate kommen, wenn wir den Lichtblick einer Reise vor uns haben. Trotz meiner zunehmenden Problehmen beim Gehen, Stehen und Sehen, trotz des mickrigen Selbstvertrauens und serbelndem Ehelebens.
Oder gerade deshalb! Was gibt es für eine bessere Motivation sich zu bewegen, als eine neue (Stadt-) Eroberung? Ganz sicher hilft das Hinausgehen in die frische Luft gegen den Winterblues und die Gruppenreise würde uns wenigstens für vier Tage in ihre Gemeinschaft einbinden, somit hätte ich ein wenig Ruhe von dem Empfinden der fehlenden Freunde und vor den nicht nur erfreulichen Familienbanden. Ganz sicher trafen wir andere Ehepaare, die auch mit sich beschäftigt waren und uns helfen würden, unsere Schwierigkeiten anders zu sehen. Doch das Schnäppchenangebot versprach sogar noch den „Carnevale“ dazu.
Reisevorbereitungen
Wie Ihr sicher gemerkt habt, gehört es für mich zur Vorfreude auf jede Reise, dass alles gut vorbereitet ist. So habe ich in letzter Sekunde eine Maske und einen Fächer bemalt mit den noch brauchbaren alten Farben aus dem Keller, die aus den Tagen stammten, als unsere Kinder damit gearbeitet hatten. Noch fast feucht habe ich sie in Peters Koffer eingepackt, dazu eine Federboa gekauft und fertig war mein Outfit für dieses spezielle Fest der Lagunenstadt.
Selbstverständlich habe ich zur Vorbereitung auch einige Bücher der Donna Leon gelesen. Abgesehen davon, dass mir die kriminellen Handlungen darin immer noch zuwider sind, habe ich begriffen, dass die Autorin enorm viel recherchiert hatte und es wohl wirklich besser ist, wenn diese Geschichten nicht ins Italienische übersetzt werden. Mit grosser Freude schaue ich mir auch ihre Filme an – weil einem Venedig dabei so nahe kommt – und gerade kurz bevor unsere Reise begann, wurde eine neue Folge von „Comissario Brunetti“ ausgestrahlt. Nun schaute ich viel genauer hin und fragte mich immer wieder, ob ich dies wirklich auch so antreffen werde, ob die Lagune tatsächlich stinkt und ob ich nicht vielleicht doch noch Donna Leon zu Gesicht bekäme…
Der Abreisetag kam, wir gingen frühmorgens durch unser noch schlafendes Dorf und es war wie meistens: die bleierne Müdigkeit in den Beinen und Füssen wich den beflügelnden Reisegedanken. Die erstaunten Augen des Joggers, den wir nur in dieser Herrgottsfrühe antreffen, erinnert mich daran, dass es hier Leute gibt, die vor fünf Jahren, als ich die Diagnose MS bekam, dachten, dass ich nicht mehr lange zu Leben haben würde. Ja, man lebt schon bewusster und manche Tage sind wie ganz besondere Geschenke. Vor allem die, welche der Beginn eines Abenteuers sind. Ohne Probleme brachte uns der Bus zum Zug und dieser erreichte pünktlich die Stadt, in welcher der Autobus startete.
Die Anreise
Alles verlief reibungslos, bis auf die Tatsache, dass die Reiseleiterin keine Ansage machen konnte, die Hand und Fuss hatte. Zunächst weckte das ein gewisses Verständnis: „Aha, Dir geht es also auch so!“. Später entstanden dadurch ein paar unliebsame Zwischenfälle, die aber das Reiseerlebnis im Ganzen nicht wirklich zu trüben vermochten.
Ob es eine Alterserscheinung war, dass ich kaum mehr einen Satz klar zu Ende sprechen konnte, oder ob es mit der MS zusammenhing, konnte ich nicht ermitteln. Tatsache war, dass ich auch beim Schreiben fortwährend Buchstaben verwechselte, dass Gedanken oft nicht ausgesprochen wurden, weil sie zu lang waren, dass ich das, was ich sagen wollte, zuletzt nicht gesagt hatte, weil mir der Faden abriss, und dass ich oft abweisend wirkte, weil ich kurz angebunden schien, in Tat und Wahrheit aber nicht alles sagen wollte, was ich hätte mitteilen können, weil es mir zu anstrengend war.
Auch das Vermischen von objektiv Erlebtem und subjektiv Empfundenem ist nur ganz schwer zu erkennen und zu umgehen. Was ich aber spüre ist, dass immer wieder die Zunge wie geschwollen ist, dass ich auch beim besten Willen nicht genau artikulieren kann. Was sich auch beim Singen bemerkbar machte und dort wurde auch offenbar, dass ich nicht immer alle Töne zur Verfügung hatte, die eigentlich meiner Stimmlage entsprochen hätten.
Der geneigte Leser merkt es schon: das wären alles Gründe, um sich vollkommen von der Gesellschaft zurückzuziehen, und um zu resignieren. Doch man konnte es auch als Herausforderung des Lebens ansehen, sich dennoch zu melden, sich zu äussern und trotz all dem zu Schreiben. Ja, es braucht sehr viel mehr Zeit, denn das Zehnfingerschreibsystem ist mir auch abhanden gekommen, und, ja, ich brauche trotz des Studiums der Germanistik eine Fachperson, die meine Reiseberichte lesbar zu macht.
Was soll’s. Es ist mein Weg und Sie, liebe Leser und Leserinnen, geben mir den Auftrieb und den Mut um fortzufahren.
Mit jedem Kilometer Fahrt nach Italien wurde mir klarer, dass es zu Hause mit den Nachbarn einfach nicht gut lief. Plötzlich musste ich deswegen beinahe weinen und sagte es meinem Mann. Zu meiner masslosen Verwunderung gab er mir für einmal Recht.
Natürlich bekam ich keinen Trost von ihm und auch keinen Anstoss, wie diese Sache zu bewältigen sei. Doch er kam mir so immerhin auf halber Strecke entgegen und die nun etwas entspanntere Atmosphäre half mir, zuversichtlicher in den kommenden Sommer zu sehen. Die nachbarschaftlichen Schwierigkeiten in unserem verdichtet gebauten Quartier traten vor allem im Sommer zu Tage, wenn sich masslose Querköpfe daran erfreuten, ihre Radios, Ehezwistigkeiten und uferlose Kommunikation mit den Haustieren (die dreijährige „Erziehung“ einer kleinen, angebundenen Katze und danach ebenso lange die Trimmung eines Hundes auf bellen mit rechnen auf Lautstärke 12 und bei geöffneten Fenstern der Allgemeinheit darzubringen).
Man ging sogar so weit, dass Neuzuzüger ermuntert wurden, sich bedenkenlos laut im Garten zu unterhalten, und jedes Jahr wurde eine neue Möglichkeit gefunden, den Lärmpegel zu erhöhen, alles in der Hoffnung die „lästigen“ Mitbewohner, die man ja von Anfang an nicht gewollt hatte, endlich los zu werden. Nein wirklich, der Winter brachte nur Erholung vor den nächsten Attacken.
Unterwegs nach Italien fiel die Alpennordseite durch Schneelosigkeit auf, während sich im Tessin mehr als einen Meter hohe Schneewälle an den Strassenrändern bildeten und sich die weisse Pracht auch auf den Hausdächern türmte. Bis weit hinunter in der Leventina lag unglaublich viel Schnee. Dann kamen die vielen Kilometer Fahrt durch das winterliche Italien, wo sich mancherorts das Wasser in den Feldern staute. Auch hier sind die Bäume schwarz im Winter und es gibt wenig Grün. Einmal sah ich zwei blühende Büsche. Die Sonne tauchte alles in milchiges Licht und die Temperatur lag bei 10° Celsius.
Das leise Brummen des starken Busmotors lullte mich derweil in Erinnerungen an längst vergangene Italienreisen ein. Mit 17 Jahren durfte ich zum ersten Mal ans Meer fahren. In einem Lager der Frauenschülerinnen gingen wir ins Casa Henri Dunante in Varrazze in der Nähe von Genua. Eigentlich wäre mir das als Haushaltlehrtochter mit nur einem Tag Schule pro Woche gar nicht zugestanden, doch ich hatte Italienisch dazu belegt und mein Lehrer leitete dieses Lager. Ich freute mich riesig, da mein Vater eigentlich wollte, dass seine Kinder zuerst die Schweiz kennenlernten, bevor sie ins Ausland durften. (Wenn er wüsste, dass mir erst kürzlich klar wurde, wie man zum Oeschinensee kommt, hätte ich niemals auch nur einen Fuss ins Ausland zu setzten brauchen.)
Alles war einfach nur schön. Das Meer, die Sonnenuntergänge und der junge Hilfsleiter.
Den Sandstrand vermisste ich nicht, weil ich das ja nicht kannte. Leider hatte ich es verpasst, mir eine Reisekameradin zuzulegen bevor wir gingen. So war ich denn mit meinem ausgeprägten Basler Dialekt etwas exotisch in der Schar dieser „Bernermodis“.
Wir lernten ein sehr schönes Lied, das in der beeindruckenden Halle des Lagerhauses fantastisch klang. Es hiess: „Eine kleine, golden gelbe Wolke.“ So viel Gutes und Schönes auf einem Haufen war zu viel für mich und ich benahm mich jämmerlich daneben auf dem (begleiteten) einzigen, abendlichen Ausgang in die örtliche Disko. Damals war der Martini in Italien viel billiger und ich wollte zwei Flaschen mit nach Hause nehmen. Leider durfte man nur eine Flasche über den Zoll bringen und so blieb mir nichts anderes übrig, als die zweite Flasche mit den anderen in meinem Zugabteil zu teilen bevor der Zoll kam. Der Aufruhr bei den Lehrpersonen war programmiert und mein Ansehen sank definitive ins Uferlose.
Mit etwa 20 Jahren fuhr ich dann als Sozius mit meinem damaligen Verlobten Serge auf seiner 750er Yamaha in die Levante zum Camping. Es war sehr heiss und als wir einen winzigen Skorpion vor dem kleinen Zweierzelt sahen, wurde schnell alles zusammen gepackt, und wir verschoben uns in die Berge, genauer gesagt, ins Veltlin, nach Sondalo. Dort war es kühler und man bekam schon den ersten Sauser (Süsser Wein im Vorgärstadium) was meinem Verlobten sehr entsprach. So sehr, dass er mir nach einem Nachtessen im Zentrum des Örtchens den Zündschlüssel seiner heissgeliebten Maschine über den Tisch schob und sagte: „Fahr du zum Campingplatz zurück, ich bin nicht sicher, die Maschine noch heil dahin zu bringen!“ Wow, bis dahin hatte ich schon einige Male beim Motorradputzen geholfen, aber diese schwere Maschine selber fahren? Fahren durfte ich sie vorher nie. Nicht, dass ich das gewollt hätte, immerhin besass ich noch keinen Führerschein, aber vorne sitzen und die Vibrationen spüren, das hatte ich doch sehr gerne gemocht.
Nun vibrierte plötzlich die ganze Atmosphäre um mich herum. Vor Freude und gleichzeitig auch vor Angst, denn wenn ich einen Unfall bauen sollte, war mir der Spott des ganzen Motorradclubs sicher, nebst dem Ärger und eventuellen Verletzungen.
Ehrlich gesagt wusste ich nicht mal, wie das Ding zu starten war. Das hatte Serge, der ein beachtliches Mannsbild von über hundert Kilo war, dann auch gleich selber gemacht, nachdem er sich hinter mich auf den Soziussitz gehievt hatte.
Natürlich waren wir ohne Helm, Handschuhe und Lederkombi unterwegs, es waren ja nur wenige hundert Meter bis zum Zelt zurück. Vor einer Baustelle musste ich bei einem Rotlicht halten. Als ich den Motor nicht absterben liess, meinte Serge, dass ich nun fahren könne, und lehnte sich gemütlich zurück, die Füsse auf den Fussrasten, wie es sich gehörte…
Bei Grün ging es weiter und schon kam die Schotterstrasse, die zum Campingplatz führte, in Sicht. Mich fürchtete, dass ich beim langsamen Fahren darauf die Balance verlieren könnte, denn Serge hing irgendwie schräg hinter mir im Sattel. Sollte ich die günstige Gelegenheit wahrnehmen und mir den Lohn für das Motorradputzen einfach nehmen, indem ich weiterfuhr statt zurückzukehren zum Zelt?
Während ich fragte, wie ich schalten müsse (learning by doing!), liessen wir die Abzweigung zum Zeltplatz hinter uns und fuhren flott und rassig auf der Nebenstrasse den Hang hinauf in die nächste Ortschaft. Als der kühle Fahrtwind um meine Nase pfiff, war ich so glücklich, dass ein neues Lebensgefühl begann – oder ein Virus mein Leben infizierte.
Ohne ihm einen Namen geben zu können, hing er irgendwie mit Motorenkraft, Auspuffgasen und Geschwindigkeit zusammen und sollte mich sehr lange begleiten.
Die Strasse hatte einige Kurven, die alle schön ausgeschildert waren, in dreieckigen Tafeln, so mit roten Rändern. Ich hatte also ordentlich zu tun mit Schalten und Balancieren. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich wohl den Tank leer gefahren an jenem schönen Abend. Doch Serge merkte irgendwann, dass wir schon viel zu lange unterwegs waren und hiess mich sofort stoppen. Nur widerwillig gehorchte ich. Nach dem Wenden der schweren Maschine landete ich für immer auf dem Sozius und er fuhr uns, inzwischen wieder einigermassen ausgenüchtert, staunend über die Distanz, die ich bewältigt hatte, und ziemlich kochend vor Ärger, ohne weitere Zwischenfälle zum Zelt zurück.
Einige Jahre später führte mich 1989 die Hochzeitsreise nach Italien: Florenz war das Ziel. Doch Serge war nicht mehr mein Begleiter. Peter wurde mein Mann und er besass keinen Führerschein. Dafür hatte er Kontakte zu einer Medici Villa ausserhalb von Firenze und wir fanden es wunderschön, den gemeinsamen Weg so gediegen starten zu dürfen. Alle Schönheiten dieser phantastischen Stadt konnten wir geniessen und Ausflüge in die Umgebung sowie für drei Tage nach Rom unternehmen.
Die Kutschenfahrt vorbei an den prächtigen Sehenswürdigkeiten in den rot gefärbten Abendhimmel der ewigen Stadt hinein werde ich wohl nie mehr vergessen.
Die erste grosse Campingreise ging 2001 auch nach Italien. Wir waren mit den Kindern unterwegs, als uns eine Hitzewelle einholte. Wir waren ziemlich zuunterst im Stiefel und das Thermometer zeigte schon um neun Uhr morgens 45 Grad Celsius im Schatten an.
Abends gingen wir Pizza essen und tranken acht (!) Liter kühles Wasser dazu. Das liess uns die Entscheidung fällen, so schnell wie möglich nach Hause zurückzukehren. Dort kamen wir dann mit der Hitzewelle an.
Der Aufenthalt
Doch nun wieder zurück, in Jahr 2014, auf dem Weg nach Venedig und wieder alleine als Paar unterwegs.
Als wir gegen Abend in die Senke des Deltas der Brenta bei Venedig fuhren, lag ein Dunst in der Luft, der die Andersartigkeit der Landschaft unterstrich. Unser Blick wurde sanft auf die weiche Schönheit der Gegend vorbereitet. Vor uns lag die Lagune, das Ufer mit viel noch braunem Schilf im und am Wasser. Es hatte eine milchig grüne Farbe und die kleinen Wogen versickerten still im Sand. Es verschwand so schnell, wie es kam, das Bild vor meinem inneren Auge: mit nacktem Rücken lag ich an diesem Ufer. Unter mir den sonnenwarmen Sand und über mir einen aktiven, vitalen Liebhaber. Doch heute brach sich keine Welle im warmen Sonnenlicht oder reflektierte Lichtblitze. Alles lag ruhig da. Es gab keinen Weitblick, der Dunst beherrschte alles. Nur das Wissen, dass da draussen irgendwo eine der schönsten Städte der Welt lag, machte aus dem Dunstschleier eine Verheissung, so als gehörte er unbedingt mit zu der Szene.
Noch bei Tageslicht erreichten wir unser Hotel in Jesolo. Mein Zimmer war gross, neu und mit allem Komfort ausgestattet – und für mich alleine. Jawohl, ich hatte das so arrangiert, dem Frieden zu Liebe. Später gab es ein Nachtessen, das mir sehr gut schmeckte. Mir fiel auf, dass wir alleine an einem Vierertisch sassen, während die anderen Reisenden dichtgedrängt an grossen Tischen beisammen sassen. Gerne nahmen wir die Gelegenheit war, den feinen Wein zu geniessen und bald war ich in echter
Ferienstimmung. Diät hin oder her: ein paar Tage ausspannen, das tat so gut. Nach dem Nachtessen kuschelte ich mich gemütlich ins Bett. Leider hatte ich den Lesestoff vergessen, doch es gab eine Bibel. Ein sehr interessantes mehrsprachiges Lukasevangelium – was will man mehr? Doch viel bekam ich nicht mehr davon mit, denn bald döste ich glücklich ein.
Am nächsten Morgen lief alles wie am Schnürchen und ich freute mich wie ein Kind auf die berühmte Stadt. Nach der Busfahrt nach Punto Sabbione stiegen wir in ein Schiff, das leider schmutzige Scheiben hatte. Diese waren auch noch unangenehm weit oben, sodass der erste Sichtkontakt mit der Lagunenstadt etwas verkrampft und unklar ausfiel.
Aber die Majestät der näherkommenden Türme, die sich weiss schimmernd aus dem blauen Dunst immer klarer hervorschoben, wurde durch nichts gebrochen. Gebäude und Gehölz wurden sichtbar, alles wurde farbiger je näher wir den Inseln und der Stadt kamen. Leise begann das Boot zu schaukeln durch die Wellen, die von anderen Booten geworfen wurden, welche geschäftig ihrem Ziel entgegen strebten. Es war seltsam ruhig an Bord, die Schönheit der ersten Palazzi beeindruckte wohl alle.
Ja, es war wirklich so schön wie bei Donna Leon im Film.
Vielleicht wurde es noch viel schöner, denn es gab kein Drehbuch, das jede Sekunde vorschrieb, und ich durfte den Blick so lange auf einem Objekt ruhen lassen, wie es mir persönlich entsprach. Bald merkte ich, dass es viele Details gab, die es wert waren, mehrmals genau angesehen zu werden. Beispielsweise die Farben der Fassaden, die Figuren und die Anordnungen der verschiedenen Fensterfronten im wechselnden Tageslicht.





An Land wurden wir in kleinere Gruppen aufgeteilt. Meine sollte zuerst die Stimmung der Stadt erspüren dürfen. Die italienische Leiterin führte uns mehr als sie erzählte und das war gut so.
Es gab überwältigend viel Kunst. Eine unvergessliche Episode aus einem Globibuch (Scheiz. Werbefigur, blauer Vogelmann mit Karohose, Hauptfigur in unzähligen Kinderabenteuerbüchern) meiner Kindertage tauchte sogar auf, der Glockenturm mit den bronzenen Männern, welche die Stunden mit grossen Hämmern auf eine Glocke schlugen.
Aber das war nur eine von unzähligen Schönheiten. Ich staunte und war hingerissen. Faszinierende Skulpturen, Fassaden und Geschichten umgaben uns von allen Seiten. Es gab weder zu viele Touristen noch Tauben und es stank auch nicht aus den Kanälen.
Die kunstvolle Szenerie wurde immer wieder durch schön maskierte und farbig kostümierte Einzelmasken belebt. Nicht selten stimmte die ganze Maskerade perfekt bis hin zu den Schuhen. Die Karnevalsfiguren spazierten einfach so durch die Stadt, manchmal auch in kleinen Gruppen oder zu zweit, scheinbar ohne Ziel. Nur ab und zu blieben sie stehen, um sich fotografieren zu lassen. Das ganze geschah still. Nicht ein Tönchen war zu hören. Das war sehr ungewohnt für mich, die Fasnacht mit Pfeiffen, Tambouren und „Guggemusig“ verbindet. Die Stadtführerin sagte, dass es nur eine Regel beim Kostümieren gebe: man dürfe die Person darunter keinesfalls erkennen.
Weitere Erklärungen folgten und ich fotografierte so viel ich konnte. Vergessen waren die Beschwerden. Meine Nordic-Walking-Stöcke waren mir mehr ein Hindernis als eine Gehhilfe, es war um die 15 Grad Celsius warm und ich geriet ins Schwitzen in meinem schönen, neuen Mantel. Aus Vorsicht hatte ich an diesem Tag die selbstgemachte Maske und das Zubehör nicht mitgenommen. Eine Ahnung sagte mir, dass so etwas Einfaches, offensichtlich Selbstgemachtes hier wohl fehl am Platze sein könnte.
Gegen Mittag erhielten wir einen kleinen Imbiss mit verschiedenen Weinen aus dem Veneto; diese schmeckten köstlich, sogar der Weisswein war süss und schwer. Die Gesellschaft war gut und der Begriff „Zeit“ hatte keinen Zugriff mehr auf mich. An grossen Tischen wurde bald munter schweizerdeutsch geplaudert und gelacht. So hatte ich mir immer das schöne Leben vorgestellt. Sie nicht auch, liebe Leser und Leserinnen?
Nach dem Geniessen folgte eine etwas ausführlichere Stadtführung: diesmal wurde zugegeben, dass man Donna Leon kenne und auch lese, dass alle Abwässer an Land gepumpt würden, dass das Leben in der Stadt zu teuer sei und dass auch sonst einiges mit einem Achselzucken zur Kenntnis genommen werden müsse.
Ich fragte mich, ob es nicht genau diese Fähigkeit war, das beifällige Achselzucken, die den Charme des südlichen Lebensstils ausmachte. Mir fehlte diese Grandezza im Umgang mit Missständen ganz eindeutig.
„Ach, könnte ich mir nur ein Stück davon abschneiden!“
Während des bezaubernden Erkundens der Gässchen und Plätze, der Brücken und Gerüche, kamen sich Traum und Wirklichkeit langsam näher. Vielleicht waren es auch die Vorstellungen aus verschieden Zeiten meines Lebens. Die jugendliche Schwärmerei für das Schöne und Edle, das mit der gut verborgenen Hoffnung vom Prinzessinnnendasein verknüpft war, prallte mit der Wahrnehmung einer vom Leben gebeutelten, alternden Frau zusammen. Vollends in die Gegenwart geholt wurde ich, als mir ein junger Gipser begegnete. Er war von Kopf bis Fuss in feinen, weissen Staub gehüllt und trug auf einer eigenartigen Rückentrage vier rote, neue Ziegelsteine durch die engen Gässlein. Die Entzauberung kam wie ein Hieb: wieviel Aufwand musste hier betrieben werden um zu renovieren? Ohne grosses Getöse verabschiedete ich mich innerlich von meinem alten
Prinzessinnentraum, einmal in einem herrschaftlichen Palazzo zu Hause zu sein. Es wurde einfach eine Ermessensfrage daraus.
Als wir uns dann endlich „frei bewegen“ durften, war ich schon hundemüde und brauchte dringend einen Kaffee. Ein anderes Paar hatte auch diesen Gedanken und schloss sich uns an. Das Hotel Danieli war mir ein Begriff, weil ein Kollege aus früheren Tagen diesen stolzen Namen trug und ich wollte es unbedingt besuchen. Es lag ganz in der Nähe der Schiffsanlegestelle und war nicht zu übersehen.
Zugegeben, es kostete mich schon Überwindung in das vornehme Haus zu gehen, mit meinen Stöcken, und nach einem Kaffee und diesem Bekannten zu fragen. Man sagte, dass es eine solche Person hier nicht gebe und wies uns mit einer knappen Handbewegung die Richtung zu Kaffee und Kuchen. So sassen dann wir vier einfache Schweizer in diesem Lokal, wo sich Könige zu Hause fühlen könnten. Marmortreppe, Orientteppiche, Wände mit prächtigen Spiegeln und Lüster aus Muranoglas sowie vergoldete Stuckdecken umgaben uns. Vornehmes, langes Warten auf den Kellner, der dann doch „Ombra und Spritz“ (typische Apérogetränke) und Wein bringen musste. Natürlich brachte er uns auch Häppchen aus Silberschälchen. Hier herrschte eine ganz andere Atmosphäre als beim Mittagessen, gerne liess ich mich von diesem Prunk beeindrucken und andächtig liess ich meinen Gedanken freien Lauf. Immer stiller wurde es in unserer kleinen Runde, wir genossen das Besondere dieses Ortes auf ganzer Linie.
Gerade als wir langsam aufbrechen wollten, bemerkte ich kostümierte Gestalten auf der Marmortreppe. Zunächst huschten nur einzelne auf und ab, dann aber versammelten sich mehrere Kostümierte in der Lounge direkt neben uns. Auf der Empore fanden sich drei verkleidete Musikanten ein und dann…. Ja, dann übten die Kostümierten zwei mittelalterliche Tänze. Ich war hin und weg. Solch schöne Stoffe und die entsprechende Umgebung mit Musik. Es war unbezahlbar, der Schritt aus unserer Zeit hinaus in eine andere Epoche mit komplett veränderten Möglichkeiten war so unglaublich nahe gekommen und es machte tiefe Freude, ein wenig daran Teil zu haben. Damit meine ich natürlich die mittelalterliche Lebensweise. Wie eine Verrückte schoss ich Bilder, die meine Empfindungen, wenigstens die farblichen, festhielten. Was für ein Zufall hatte uns zu rechten Zeit hierher gebracht?
Als wir den gastlichen Ort verlassen hatten, regnete es einige Tropfen und so beschlossen wir vier mit dem Boot und dem Bus zurückzukehren und in Jesolo das Abendessen zu geniessen. Es wurde ein schöner, geselliger Abend. Als ich wie ein Stein ins Bett fiel, fragte ich mich schon, ob ich am nächsten Tag noch genug Kraft haben würde, um dem normalen Programm zu folgen. Doch bevor ich mir wirklich Sorgen machen konnte, war ich wohl schon eingeschlafen.




Der 2. Tag in Venedig
Dieser Tag stand ganz im Zeichen der Bootsfahrten, wie sich später zeigen sollte. Zunächst brachte uns ein bequemes Schiff nach Burano. Die farbigen kleinen Häuser leuchteten in der Sonne und wir sahen viele liebevoll gestaltete Fenstersimse mit Zyckamen und die kleinen Canali mit den Fischerbooten hatten etwas leicht Künstliches, wie Hingemaltes. Die Häuser waren deswegen so farbig angemalt, damit in früheren Zeiten die Fischer ihr Haus im Nebel oder auch im angetrunken Zustand besser wieder fanden.
Wir schlenderten durch den Ort und genossen das „Dolcefarniente“. Das nächste Ziel mit dem Motorboot war dann Murano und eine Touristenfalle der brutalsten Art, worüber ich gar nicht näher berichten will. Nur soviel: es war schlimmer als die sogenannten Fabrikbesuche in der Türkei, denn diese waren wirklich freiwillig.
In Murano fanden nicht mal alle Mitreisenden den Ausgang aus der „Manufaktur“! Wir konnten an die frische Luft entkommen und gingen etwas essen. Romantisch sassen wir an einem kleinen Canale, doch davon wird man bekanntlich nicht satt: das Menü bot im Hauptgang einen sehr kleinen und dünnen Fisch an, der auch noch sauer schmeckte.
Danach ging es mit dem Boot zurück nach Venedig, wo wir keine Verpflichtungen mehr hatten. Wir wollten mit dem Vaporetto, dem Wasserträmmli, wie wir es nannten, den Canale Grande befahren. Es gesellten sich zwei mitreisende Damen zu uns. Sie wohnen in der Schweiz in unmittelbarer Umgebung von uns und wir fanden das alle lustig. Ich besorgte mit einigen Schwierigkeiten die vier Fahrscheine. Laut Tariftafel gab es eine Rundreise für 28 Euro pro Person, doch dieses Billett konnte ich aus einem unverständlichen Grund nicht erwerben. Ich bekam nur vier normale Fahrscheine für 28 Euro. Der Beamte erklärte, diese Rundfahrt gäbe es hier nicht und ich solle zum nächsten Schalter gehen. Dieser lag etwa 50 Meter weiter, aber auch hier bekam ich dieselbe Auskunft. Ich fühlte etwas in mir aufsteigen, das mich unglaublich an den Ärger vor dem Check-in in amerikanischen Flughäfen erinnerte: regelmässig mussten wir in mehreren, nicht enden wollenden Schlangen anstehen, um danach ohne Verpflegung in ein Flugzeug steigen zu müssen, in dem es stundenlang nichts zu essen gab.
Daher kaufte ich kurzerhand die vier Fahrkarten für 28 Euro, ohne wirklich zu wissen, wie weit wir damit kamen. Ich war mir sicher, dass dieses öffentliche Transportmittel uns nicht auf einer einsamen Insel aussetzten konnte, wo wir dann auf alle Zeit festsitzen würden.
Da hatte ich aber nicht mit der Genauigkeit des ältesten Gruppenteilnehmers gerechnet! Als unser Schiff mit grossem Getöse statt direkt in den Canale Grande nämlich zunächst zur nächsten Insel, der Giudecca, abbog, wurde flink die Karte hervorgeholt und bei jedem weiteren Halt des Wasservehikels gemutmasst, wann es denn wohl umkehren würde und wann wir sehen würden, dass das Geld falsch investiert war und es offenbar werden würde, dass die Zeit nicht mehr reichen würde, um den Canale zu sehen, und alles nur wegen meinen mangelhaften Sprachkenntnissen! Aber es kam dann doch noch, wie es kommen musste: Unser Wassertaxi bog doch noch überraschend von unten in den Canale Grande ein und auf jeder Seite des Schiffes präsentierten sich sehr viele stolze Palazzi. Ihre Prunkfassaden leuchteten in der Sonne und liessen unser Touristenherz höher schlagen. Ende gut, alles gut.
Leider verlief für eine Mitreisende die Heimfahrt auf dem Schiff nach Punto Sabbione nicht gut. Jemand hinter ihr stolperte beim Einsteigen und warf sie ins Wasser. Glücklicherweise wurde sie sofort durch einen beherzten Sprung ins kalte Hafenwasser von einem jungen kräftigen Bootsmann gerettet, aber Handy und Portemonnaie gingen leider verloren.
Die Heimreise
Wieder in Jesolo gingen wir mit dem anderen Pärchen zum Nachtessen. Danach sank ich erneut müde, aber glücklich, ins Bett und früh am anderen Morgen ging es ohne Zwischenfälle zurück nach Hause in die Schweiz.
Unterwegs, etwa auf der Höhe von Padua, machten wir die Mittagspause in einem sehr modernen Autogrill. Das Gebäude war in futuristischem Stil gebaut, runde und elliptische Formen vermittelten den Eindruck eines Ufos, doch das viele Holz im Innenausbau und der Einfall des Lichtes von oben erinnerte mich auch an die Arche Noah.
Gerne wäre ich noch länger sitzen geblieben und hätte dem munteren Treiben zugeschaut. Beim Eingang zu den Waschräumen waren viele Automaten in die Wand eingebaut, in denen man allerlei fand, was man auf einer Reise leicht vermisst. Natürlich musste ich mich hier mit echter italienischer Pasta eindecken und die Lieben zu Hause auch. So hatte ich eine voluminöse Tüte voller guter Dinge und das Überraschendste der Heimreise war die Entdeckung, dass diese Tüte recyclefähig war. Keine komplizierten Fragen, ob man eine solche Tüte wolle oder eine billigere bevorzuge, nein, man hatte keine Alternative und tat so bewusst oder unbewusst etwas für die Zukunft. So eine gute Idee – und das ausgerechnet in Italien. Nur zu gut erinnerte ich mich an die ewigen Plastiksäcke an den Stränden der früheren Reisen und mein Unbehagen darüber, da ich weiss, dass dies weder den Fischen und somit unserer Nahrungskette, noch dem Meer gut bekommt. Wenn ich könnte, würde ich recyclefähige Verpackungen auf der ganzen Welt sofort vorschreiben.
Ein tiefgreifendes und gutes Gefühl begleitete mich auf dem Nachhauseweg, auch wenn uns in der Schweiz kalter Regen empfing.
Erfüllt von der Schönheit der Serenissima und von befriedigter Abenteuerlust war ich wieder ganz neu dankbar für alles, was immer noch funktionierte an mir.
Das wäre ein schöner Schluss für diese Geschichte, nicht wahr? Nun habe ich aber noch zwei goldene Dukaten für die Schmuckschatulle der Erinnerungen. Es sind zwei Liebesgeschichten, die mir anvertraut wurden und die ich gerne weitergebe.
Da ist zunächst die Geschichte von John und Mary. Sie gingen vor rund 50 Jahren zusammen in die Schule und lernten sich kennen und lieben. Mary wollte John schon damals heiraten. Doch dieser sah das anders und auf dem Weg der Berufsfindung haben sich die beiden aus den Augen verloren. Mary heiratete früh, bekam Kinder und war ihrem Mann eine tüchtige Hilfe im eigenen Geschäft. 39 Jahre dauerte die Ehe, dann verstarb Marys Mann.
John hat nie geheiratet und arbeitete über 30 Jahre bei den Verkehrsbetrieben. In all dieser Zeit ist er Mary jedoch nie begegnet obwohl sie doch im selben Quartier wohnten! Als Mary dann Witwe war, haben sich die Mütter von Mary und John, unabhängig voneinander eingeschaltet und so hat John seine Mary dann gefragt, ob sie mit ihm einen Kaffee trinken möchte. Für Mary ist die Welt einen Moment lang stehen geblieben…
Heute leben die beiden zusammen, unternehmen schöne Reisen und kümmern sich liebevoll um ihre Familien. Aufgefallen ist mir der respektvolle Umgangston, den sie untereinander pflegen, Johns Ritterlichkeit und Marys Fürsorge für die betagten Mütter.
Die andere Liebesgeschichte wurde mir von Olga alleine erzählt, weil ihr Mann nicht mehr reisen konnte. Mit einem Akzent, den ich nicht einzuordnen vermochte, und einem verschmitztem Lächeln, gab sie ganz kurz Einblick in ihr wunderbares und abenteuerliches Leben. Als Olga jung war, vor circa 50 Jahren, wollte sie aus ihrem Heimatland Österreich auswandern. Sie hatte sich den Weg über Schweden und New York nach Kanada vorgenommen. Als sie in Schweden war, ist sie mit ihrem österreichischen Dialekt aufgefallen. Und zwar einem anderen jungen Österreicher, der beruflich in Schweden war!
Lachend erzählte sie, dass sie daraufhin fünf Jahre zusammen dort gelebt haben, Kinder bekommen haben und später aus beruflichen Gründen in die Schweiz gekommen sind, wo sie noch heute leben.
Weisst du, wie du Gott zum Lachen bringen kannst?
Erzähl ihm deine Pläne!
Fazit
Diese Reise war vermutlich der Königsweg für mich, um ein neues Gebiet kennen zu lernen. Von Anfang an teilte ich mit, was mit mir los ist und warum ich zwei Einzelzimmer wollte. Ich fühlte mich gut betreut, ohne dass mir jemand zu nahe kam.
Auch die Hoffnung auf ein wenig Gesellschaft und zur Gruppe dazuzugehören wurde erfüllt und gab mir Mut, auch im Alltag wieder öfter unter Menschen zu sein. In der Therapie lernten mein Mann und ich immerhin, miteinander zu reden ohne aus der Haut zu fahren und sich abzugrenzen; so hatte auch Peter seine guten Momente. Was mich innerlich belebte, habe ich schon beschrieben und so kann ich nur empfehlen:
Wagen Sie es, trotz MS zu reisen!
Wenn Sie jemanden kennen, der MS hat, haben Sie den Mut, die hier empfohlene Therapie vorzuschlagen, immer wieder, denn ich bin ganz sicher, dass dies für den Patienten ein grosser Gewinn sein wird.
Schenken sie einem MS-Patienten etwas Zeit, warum nicht, um eine Busreise zu unternehmen? Wenn Sie von alldem nicht betroffen sind, so hoffe ich, Ihnen gezeigt zu haben, dass ein Gebrechen äusserlich kaum sichtbar sein kann oder einfach lächerlich wirkt wie das Torkeln, das mich manchmal schon am Morgen wie eine Säuferin daherkommen lässt. Seien Sie bitte vorsichtig mit entsprechenden, vorschnellen Bemerkungen oder abschätzigem Gestikulieren: die Betroffenen brauchen Zuwendung und Fürsorge, genau wie alle anderen Menschen auch.